udo rein

The good thing about life is to be alive.

faces+places, film 2006

Dieses Zitat aus dem Film faces+places von Udo Rein alias ReDo steht im Zusammenhang der stripe series 2006. Der Satz - einer der wenigen, die in diesem Film gesprochen werden - scheint programmatisch für die Stimmung des Films. Die Arbeiten der stripe series 2006 zeigen Fragmente von Geschichten, Gesehenem und Erlebtem, deren neue Zusammenfügung eigene Stories bilden. Die Panels und der Film entführen den Betrachter in komplexe Gefüge und unbekannte Geschichten.

Der vorliegende Katalog mit einer Auswahl aus Udo Reins stripe series 2006 gibt einen Einblick in die 2006 entstandenen Arbeiten und die Arbeitsweise des Künstlers. Wie auch in den vorangegangenen Jahren entstehen die Panels nach einer Art Kaskadenprinzip: auf Reisen gesammelte Fundstücke, Erinnerungen und Situationen, mit der Kamera als Film oder Foto festgehalten, werden in einem Film verarbeitet oder in Panels umgesetzt, die aus Filmsequenzen, Notizzetteln sowie vor Ort gesammeltem Material zusammengefügt werden.

Die Arbeiten auf Holz der stripe series 2006 sind miteinander durch vertikale und horizontale Streifen verbunden, die zum einen die Zusammengehörigkeit der Panels aufweisen und zum anderen durch Farbe eine Stimmung vermitteln. Die Ideensammlung für die Panels entstand vorwiegend 2005; umgesetzt werden die Erinnerungen, die der Künstler auf Reisen gesammelt hat, in Filmen und Fotos. Die Collage ermöglicht die Verarbeitung der verschiedenen Materialien und eröffnet dem Betrachter durch diese künstlerische Umsetzung gleichzeitig verschiedene Zugangsebenen. Die Arbeiten, die eine reale oder fiktive, von Udo Rein erfundene Situation wiedergeben, sind in sich geschlossen.

So erzählt Kim lost eine Geschichte: von dem Bild einer Frau, einem Paar Schuhe, die von ihrer Trägerin möglicherweise achtlos im Gras liegen gelassen wurden, beide eingebaut mit einer Autotür, einem Foto, das auf Cuba entstanden ist und dem hinteren Teil eines Autos, dessen Rad von dem wiederholt dargestellten Paar Schuhe gebildet wird. Nichts ist, wie es scheint. Wo ist Kim?

Der Text im Bild ist ein Zitat Nelson Mandelas und drückt die Dramen aus, die sich in südafrikanischen Gefängnissen seinerzeit abspielten: Häftlinge, die dazu benutzt wurden, mit ihren Körpern und der Körperwärme die extreme Feuchtigkeit der Zellenwände trocken zu legen.

 

Eine Sammlung starker Kontraste stellt sich in dieser Arbeit komplex dar, sie entstand aus Ideen, deren Ursprung der Künstler auf Reisen nach Cuba und Ibiza fand. Mit dem Zitat wird die gnadenlose Zerrüttung eines Landes wie Südafrika in den Vordergrund gestellt.

Der Film, der innerhalb dieser Serie entstanden ist, zeigt auf vier parallel, aber entgegengesetzt laufenden Streifen Sequenzen der Reisen. Menschen in Bewegung, Gehen, die Parade uniformierter junger Männer auf Cuba auf dem Rückweg einer frühmorgendlichen Kundgebung ihres Machthabers Fidel Castro, eine junge, lachende Frau in einer Nachtszene auf Ibiza, ein Sicherheitsmann ... Sequenzen, die vorbeiziehen wie der Film eines Lebens in Streifen. Vor dem Tod, glaubt man, zieht das eigene Leben im Zeitraffer an einem vorbei, Höhe- und Tiefpunkte. Ist es wirklich so?

Kontraste sind ein Schwerpunkt in Udo Reins Arbeiten. Gegensätze werden einander gegenüber und in Frage gestellt. Die Gegenüberstellungen, die der Künstler wählt, um seine Ideen auszudrücken, könnten konträrer nicht sein: Cuba, Ibiza, Macht, Verfall, Regime, Diktatur, Lust, Energie, Fassade, Kraft, Angst, Krieg, Tod werden in ihren möglichen und vielfältigen Variationen als gesellschaftliche Dispositionen aufgezeigt. Intensität kommt stark zum Ausdruck. Die Wahrnehmung seiner Umgebung löst, wie der Künstler selbst sagt, enorme Impulse in ihm aus und führt zu neuen Arbeiten.

Persönliches, Erdachtes und Fiktives, aber auch aktuelles, interkulturelles Zeitgeschehen findet in Udo Reins Werken Beachtung und wird in kontrastreicher Gegenüberstellung zur Diskussion gestellt. Man sieht, wie nah sich die Themen trotz augenscheinlicher Diskrepanz doch stehen und auf welch schmalem Grat sich manches Mal Denken und Sein bewegen. Unmissverständlich weisen uns die Arbeiten auf die Scheinbarkeit hin, ihre Aussagen können sogar manchmal peinlich berühren. Krieg, Tod und Diktatur sind modernen Spaß- und Konsumgesellschaften doch näher als gedacht oder auch gehofft.

Die Darstellung eines Moments, einer Situation, einer Stimmung oder auch die Erzählung einer Geschichte bewegen Udo Rein zur Auswahl seiner Themen. Ungeklärte und auch unauflösbare Geschichten fordern den Künstler zur Suche nach einer individuellen Lösung heraus. So werden die zusammengefügten Puzzleteile womöglich zur eigenen oder eigens erlebten Geschichte des Betrachters und zur Herausforderung, sich neu mit Themen auseinander zu setzen oder sie aufzunehmen.
 

Mirela Proske

 

 

 

 

 
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